18. April 2019

Wenn alte Männer über das Internet entscheiden

Artikel 13 beschäftigt momentan gefühlt das gesamte Internet. Dass die geplante Urheberrechtsreform der EU eine ziemlich doofe Idee ist, darüber ist man sich in der Netzgemeinde einig. Nicht umsonst macht mal eben die Wikiepedia einen Tag dicht und es gehen Zehntausende auf die Straße.

Obwohl die Folgen einer erfolgreichen Umsetzen der Reform hinreichend besprochen wurden eine kurze Zusammenfassung: Inhalteanbieter sollen haftbar gemacht werden, wenn urheberrechtlich geschütztes Material auf ihren Plattformen veröffentlicht werden, nicht erst nachdem sich der Inhaber der Rechte darüber beschwert hat.

Das führt höchstwahrscheinlich dazu, dass Plattformen schon beim Hochladen von Inhalten Filter anwenden müssen. Und darüber regt sich die Netzgemeinde auf.

In der Diskussion dreht es sich meistens um YouTube. Profilfotos in Foren sind aber z. B. genauso betroffen, da man auch hier urheberrechtlich geschützte Fotos verwenden kann.

Ich mache hin und wieder Fotos, lade sie auch hin und wieder im Internet hoch und besitze die Urheberrechte daran. Nun interessiert es mich nicht, wenn jemand die Bilder in der geringen Auflösung runterladen und für irgendwas verwenden würde. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es hauptberufliche Fotografen gibt, die sich daran stören und das tun sie mit Recht.

Was können Sie tun? Sollen jetzt alle Kreativschaffenden bei allen Portalen anklopfen und ihre Werke als urheberrechtlich geschützt melden? Muss jedes Forum für jedes kleinste Spartenhobby auf all diese Fotos Zugriff haben und alle Benutzerfotos dagegen abgleichen? Wer soll das leisten?

Im Podcast habe ich erzählt, dass ich einmal Kontakt mit Uploadfiltern hatte: Ein Video von einem Tauchgang war unterlegt mit einer Musik aus iMovie, Apples Schnittsoftware deren Musik man für alles nutzen darf. Selbst das hat Facebook nicht erkannt und ich musste bestätigen, dass ich das darf. Das lässt auch mich zu der Schlussfolgerung kommen: Das mit dem Filtern wird so nicht funktionieren. Verständlich von Seiten der Betreiber: Im Zweifel wird eben geblockt.

Um ehrlich zu sein ist es mir relativ egal, wenn ein Youtuber aufgrund eines Uploadfilters sein Video nicht sofort veröffentlichen kann und ihm deshalb evtl. Klicks entgehen. Ich mag aber keine Filter. Ist die Infrastruktur für weitreichende Uploadfilter erst mal geschaffen, könnte man was auch immer damit anstellen.

  • Vielleicht bietet Facebook dann Werbetreibenden demnächst an, dass Logos von Konkurrenten erkannt und gefiltert werden können?
  • Vielleicht knüpft Herr Erdogan seinen nächsten Deal an umfassende Filtermaßnahmen gegenüber Ziegen?
  • Vielleicht möchte Donald Trump keine Äußerungen von Stormy Daniels mehr im Netz?

Alles möglich dank dem Uploadfilter powered by EU. Denn im Zweifel wird eben geblockt statt durchgelassen.

Nächster Aufreger im Zusammenhang mit der Reform: Die Kommunikation. Insbesondere der Zuständige für die Reform Axel Voss zieht Hass und Häme auf sich. Dabei hat er selbst in diesem (empfehlenswerten) Interview gesagt, dass er keine besondere Qualifikation auf dem Gebiet hat. Merkt man!

Als wäre das nicht genug, wird mit der Einführung von der Reform mal eben gegen den Koalitionsvertrag verstoßen. Und es ist die Rede von bezahlten Demonstranten. Ja, bezahlte Demonstranten, das gleiche schwachsinnige Argument, dass Rechte gerne mal nutzen, wenn sie nicht verstehen wollen, warum Menschen auf die Straße gehen.

Aber man hat inzwischen gemerkt, dass das Thema bei den Wählern nicht ganz so gut ankommt. Da hat man fleißig einen Vorschlag zusammengezimmert, um national Uploadfilter zu verhindern. Richtig: Nationale Gesetzgebung gegen Europarecht. Klingt nicht nur doof, ist es auch, abgesehen davon, dass es auch fachlich durchaus Kritik gibt.

Alles in Allem ein Lehrstück „Wie fördere ich Politikverdrossenheit auch bei jungen Menschen?“ Bleibt nur zu hoffen, dass die im Gegensatz zu anderen Verdrossenen wenigstens DIE PARTEI statt die Afd wählen.

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